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… UND WUNDERT SICH

… UND WUNDERT SICH

  • Eva Gruber
  • Brigit & Peter Kainz
  • saLeh roZati

… und wundert sich

Vier Künstlerinnen und Künstler, die das unerwartet in ihren Arbeitsprozess Getretene bestaunen

Zwei KünstlerInnen und ein Künstlerduo mit unterschiedlichen Ansätzen und Techniken lassen gleichermaßen zufällige Materialanordnungen aus dem Prozess der ästhetischen Produktion ein. „… und wundert sich“ ist eine von Christian Schneider (Universität für Angewandte Kunst Wien) kuratierte Ausstellung im Loft Acht, die auf den ästhetischen Produktionsprozess als immer auch rezeptionsästhetischen des Künstlers bzw. der Künstlerin weist, auf die Angewiesenheit der KünstlerInnen auf das zufällig Vorgefundene.

Es handelt sich um eine Ausstellung über die Verwunderung über die Anfälligkeit von Ordnung und die Schönheit von Störung. Birgit und Peter Kainz kultivieren Arbeitsfehler der digitalen Fotografie. Die Fehler sind zu schön, um sie fallen zu lassen. Sie fallen den BetrachterInnen vielmehr zu. Eva Gruber interveniert mit ihrer Landart in sich zufällig darbietende natürliche Szenerien und markiert sie – sie fängt den Zufall ein. Sie lässt ihn dort wo er ist, neben all dem anderen Zufall, wo er jetzt als Zufall überhaupt auffällt. Und saLeh roZati fotografiert Landschaften, Stadtlandschaften, Menschen. Den Zufall der Fotografie spannt er ein, um mit der künstlerisch-subjektiven Bedeutungsgebung des Wahrgenommenen das flüchtige Moment dieser irrtümlichen Frage in das Bild selbst zu projizieren: War es Zufall?

Arbeitsfehler
Mit „Fotofehler“ – abstrakte Muster und Linien, verwischte Spuren – präsentieren Birgit und Peter Kainz, die Gründer und Betreiber des Studios faksimile digital, eine Werkstätte für digitale Fotografie und Bildverwandlung im Kunstbereich, Fehler ihrer Arbeiten der vergangenen Jahre. Abseits des Gedankens, dass Technik und vor allem digitale Fotografie fehlerfrei sind und sich der Mensch hundertprozentig auf sie verlassen kann, stehen die Fehler alleine im Zentrum und werden so zur Kunst. Wenn der Fehler keiner mehr sein wird, mehr noch, erhaben wird, wird das Erhabene zur Tautologie.

Markierungen
Eva Gruber interveniert seit 2002 mit einer Schnur in sich ihr darbietende Szenerien. Die hundert Meter lange, aus roter Wolle gehäkelte Schnur wurde für die Landart-Künstlerin lebensbestimmend. Gruber verband Bäume mit der Schnur, zeichnete Bilder und schrieb Worte in den Sand, ließ die Schnur schwimmen und im Wind wehen. Nach mehreren Jahren intensiven Gestaltens wurde ihr bewusst, dass sie der roten Schnur zu folgen habe, machte sich 2007 selbständig und setzte ihre Existenz ganz auf die kreative Auseinandersetzung mit Landschaft. Seither ist sie befasst mit Landart, Geh- und Buchprojekten, hat etwa 700 vergängliche und z. T. großflächige Landart-Gestaltungen mit Luftmaschenschnüren oder vorgefundenen Naturmaterialien realisiert und vier Bildbände publiziert.

Einschreibungen
Zur Aufnahme einer Stadtlandschaft mit Fluss, „in memoriam Peter“ aus seiner Don Bohlol Serie, sagt saLeh roZati, er wüsste nicht, was ihn so unbewusst und unheimlich da beschäftigt, „ich sollte es nur mit meiner Kamera aufnehmen und behalten und darauf warten, was dahinter ist“. Er besuchte dort Peter, schickte ihm Monate später das Bild. Peter aber „ist weg … für immer und seine Asche wird gereist durch den Fluss“. roZati erzählt aus dem Zufall Geschichten. Der Zufall ist kein aktives Subjekt, aber mit den Objekten wird etwas getan. Ein anderes Thema der Arbeiten des Iraners sind interkulturelle Konflikte. Seine Serie „Paradox of tradition“ verweist auf innerliche Konflikte und Paradoxe zwischen Tradition und Modernität. Saleh Rouzati studierte Fotografie an der Akademie der bildenden Künste in Wien sowie Bühnen- und Filmgestaltung an der Angewandten.

Birgit und Peter finden den Zufall so schön, dass sie ihn erheben. Sie kultivieren ihn. Eva Gruber markiert den Zufall und macht die unter ihm liegende Szenerie zur Hauptakteurin. Gleichzeitig fängt sie ihn ein. Denn sie formt ihn. roZati reduziert den Zufall. Wenn alles Gegebene Zufall ist, ist der Zufall nur das Gegebene. Er benutzt ihn und ignoriert ihn als das, was er zu sein vorgibt.

Christian Schneider präsentiert vier Künstlerinnen und Künstler im Loft Acht, die das unerwartet in ihren Arbeitsprozess Getretene bestaunen, einlassen und schließlich kultivieren, akzeptieren oder gerade noch tolerieren.

Ausstellungsdauer:

06.11. - 23.12.2014

Galerie

Radetzkystraße 4
1030 Wien