Kategorien

Herumgeisternde Feen und augetürmte Wirbel (Claudia Aigner zur Ausstellung One Night While Hunting for Faeries), in: Wiener Zeitung, 25. Juni 2019

Xu Hongxiang, One Night While Hunting for Faeries, Kuratorin: Alexandra Grimmer, Loft8 Galerie für zeitgenösssische Kunst, 2019

Herumgeisternde Feen und augetürmte Wirbel (Claudia Aigner zur Ausstellung One Night While Hunting for Faeries), in: Wiener Zeitung, 25. Juni 2019

    Claudia Aigner, Herumgeisternde Feen und augetürmte Wirbel, in: Wiener Zeitung, | Update: Uhr

    Keine Schonzeit für Feen

    (cai) Da jagt jemand Feen? Stehen die denn nicht unter Naturschutz? Aber egal. Erlegt hat er offenbar eh keine. Abgesehen davon, dass seine Waffe sowieso nur ein Pinsel gewesen wäre. Und mit dem kann man ja höchstens die Malerei umbringen. Für diese Ausstellung kamen jedenfalls keine Märchengestalten zu Schaden. (Und die Malerei ist auch nicht gestorben.)

    Loft 8

    (Radetzkystraße 4)

    Xu Hongxiang, bis 13. Juli

    Di. – Fr.: 13 – 18, Sa.: 10 – 15 Uhr

    „One Night While Hunting For Faeries“: Der Titel der Schau im Loft 8 ist übrigens ein Zitat. So beginnt ein recht brutales Lied von The Flaming Lips. Märchenhaft (auf eine verwunschene, unheimliche Art) ist die Stimmung in den Bildern von Xu Hongxiang ebenfalls. Düstere Landschaften (oder eher intime Ausschnitte daraus). Weiße Vögel leuchten im nächtlichen Geäst, eine Nackte drückt sich mit schamhafter Unschärfe scheu im dichten Unterholz herum (doch eine Fee?). Die undeutlichen Gestalten, die in „Ghosting 1 – 3“ herumgeistern (ein Affenmensch plus Kind?), begeistern allerdings weniger. Mich zumindest. Plumpe Störfaktoren in der puren Natur. Nämlich vor allem auch in der Natur der Malerei. Und die beherrscht Xu ja zweifellos. Geht höchst lebendig mit der Farbe um. Malt teils mit den Fingern, ritzt, lässt die Linien wie Gräser wachsen, nimmt wieder was weg . . .

    Als er heuer sein Atelier in Peking verlassen musste, weil das komplette Gebäude plötzlich Büros weichen sollte, hat er noch geschwind ein riesiges Graffito an die Wand gesprüht: einen abgemagerten streunenden Hund, der also kein Zuhause hat. Ein Video zeigt den Künstler bei der Arbeit an seinem imposanten Abschiedsgruß. Und weil ein Bild wohl mehr sagt als 1000 Kommentare, hat er im Loft 8 einen vielsagenden Schnappschuss aus einem Wiener Park dazugelegt. Von einem gut gefütterten Wauzerl, das bestimmt keiner auf die Straße setzen wird.