Kategorien

Xu
Hongxiang

Wie wurde Xu Hongxiang so gut, in so kurzer Zeit? Bis jetzt hat man nicht viel gehört von dem 1984 geborenen Maler, mit Ausnahme von ein paar Präsentationen in Peking und einer spannenden Gruppenausstellung im Guangdong Museum 2017. Kommt man in sein Atelier und sieht die Arbeiten, dann drängt sich automatisch die Frage auf, warum man diesen grandiosen Künstler nicht schon lange kennt.

Drei Aspekte sollten Erwähnung finden, um seinen Arbeiten gerecht zu werden: Der erste ist die sehr spezielle Wahl seiner Perspektive, die wie durch ein Zoom auf nur sehr allgemeine und unspektakuläre Bildausschnitte gerichtet ist, die ihre Brisanz eigentlich erst durch die anderen beiden Aspekte erreichen: Wie beispielsweise in den auffälligen Grashalmen von „The green grass“ eindrücklich hervor gearbeitet, ist es die aus starken Kontrasten resultierende, hohe Plastizität, die durch den speziellen Einsatz des Lichtes noch Nachdruck verliehen bekommt. Ähnlich wie bei einer Camera obscura erlaubt er den Einfall des Lichts nur aus einer Richtung in einzelne Teile des Bildes, wobei der Rest in einer Art geheimnisvollem Schatten gelassen wird. Die dadurch entstandene dunkel, satte Farbpalette könnte im Österreich eines Franz Schubert oder Thomas Bernhard als eine Form von melancholischem Unterton interpretiert werden. Xu hält sich diese Vermutung als Doppelbödigkeit in seiner chinesischen Tradition offen, in der viel durch Sublimation oder indirekte Antworten gesagt – oder vielmehr nicht gesagt wird. (Alexandra Grimmer)